Lesetipp: Yasushi Inoue, "Das Jagdgewehr"

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Das Sofa auf dieser Seite hat die wunderbare Paperswapperin LaWendula für mich entdeckt. Danke!!!

Das dünne (rund 90 Seiten umfassende) und sehr poetische “Das Jagdgewehr” aus dem Jahr 1964 von Jasushi Inoue hat wenig mit der Leichtigkeit und Durchlässigkeit moderner japanischer Literatur à la Haruki Murakami oder Banana Yoshimoto gemein.

Die Geschichte um drei Frauen und einen Mann wiegt schwer und zeigt, wie katastrophal sich enttäuschte Liebe und Schweigen auf gleich mehrere Lebenswege auswirken können. Wenig Interieur, aber trotzdem viel Stimmung:

Als ich von meinem Fenster heruntersah, kam mir der Garten im Licht des unheimlich weißen Mondes wild wie der Strand irgend eines sehr nördlichen Strandes vor, und das Rauschen des Windes erinnerte mich an Wogen, die sich schäumend brachen …

Ich stapelte fünf, sechs Bücher eines Konversationslexikons an der Tür, damit diese nicht so leicht geöffnet werden konnte, zog die Vorhänge zu – ich fürchtete mich sogar vor dem Mondlicht, das ins Zimmer floß! – und rückte meine Tischlampe zurecht.

Das Jagdgewehr, Frankfurt 1998, S. 28 f

Buchtipp: Bruno Dörig, "Aus der Herzmitte leben"

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Dieses mystisch leuchtende Sofa von Ron Arad für Moroso auf der Mailänder Möbelmesse 2015 wird aktuell besonders gern und oft auf Design-Plattformen gezeigt, das Bild oben stammt von hier.

Das 120-seitige Büchlein “Aus der Herzmitte leben” ist ab und an ein klein wenig betulich. Insgesamt aber enthält es viele kurze, nahrhafte, erholsame Texte, mit deren Lektüre wir uns sehr schnell erden können.

Auch das Wohnen spielt eine wichtige Rolle, hier ein Auszug über den Kraftplatz:

Mein Kraftplatz besteht aus einer Sitzgelegenheit. Es ist kein besonders wertvoller Sessel mit allen Schikanen, sondern ein billiges Ding aus dem Kaufhaus … Der Stuhl steht in der Küche, an einem Ort, an dem ich mich gerne aufhalte. Der mächtige Holztisch ist in der Nähe, auf dem eine schöne, große Kerze steht … An diesen Ort bin ich zurückgekehrt nach schwierigen Perioden im Beruf … Hier habe ich neu Mut gefasst … Mein Kraftplatz ist nicht das Ergebnis von Planung und Studium, sondern er hat sich so ergeben.”

Eschbach 2009, S. 96 f

Lesetipp: Kristine Bilkau, "Die Glücklichen" und die Künstlerin Karen Ryan

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Es geht in dem 300-Seiten-Roman ums Prekariat. Nah dran am Thema ist Karen Ryan mit ihren widerspenstigen Stuhl-Arrangements. Das Foto ist von hier, mehr zur Designerin und Künstlerin hier.

Das Buch “Die Glücklichen” von Kristine Bilkau ist ein verständnisvoller, behutsamer Tröster, wenn Lebenswege anders laufen, als geplant. Es lohnt sich, bis zum Schluss dranzubleiben. Auch, wenn es bisher nur als Hardcover auf dem Markt ist. Danach holt man sich bei Bedarf ziemlich entspannt Lesestoff aus den Tausch-Regalen. Auch kommen viele Sofas vor, zum Beispiel hier:

Durch die kleinen Fenster dringt wenig Tageslicht, Maud schaltet eine Stehlampe neben dem Kachelofen an. Auf einem Couchtisch sieht er Bücher über Kräuter und Saatgut, daneben einige zerfledderte Exemplare, düstere Motive in Rot und Schwarz, wahrscheinlich Thriller. Neben dem Sofa steht ein Korb mit Holzscheiten. Kein Designkram, das hätte er anders erwartet.

München 2015, Seite 86

Buchtipp: Qiu Xiaolong, "Blut und rote Seide"

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Dies ist das Café eines neuen Kindermuseums für Glas in Shanghai, gestaltet von der Shanghaier Desigfirma Coordination Asia. Ziemlich düster für meine Begriffe.

Wer sich eine Vorstellung vom modernen Leben in Shanghai machen möchte, könnte den Krimi “Blut und rote Seide” von Qiu Xiaolong über eine Frauenmordserie interessant finden. Da der Oberinspektur nebenbei Chinesische Literatur studiert, kommt auch diese nicht zur kurz. Ich habe das Buch gern gelesen, bis auf die ziemlich grausamen Essens-Szenen. Interieur wird eher kurz abgehandelt:

„Er würde die Bücher heute nicht aufschlagen, verordnete er sich. Stattdessen nahm er eine lange, heiße Dusche, legte sich aufs Sofa, und schlief sofort ein.“

Blut und rote Seide, dtv 2011, S. 165

Buchtipp: Toni Morrison, „Gnade“

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Das Foto stammt von hier, wo auch ein langer Essay über Toni Morrison zu lesen ist.

Wie sie es nur immer wieder schafft, über die schlimmsten Dinge zu schreiben und einen dennoch reich beschenkt zurückzulassen … Ach, diese Sprache! In „Gnade“ aus dem Jahre 2008 nimmt Toni Morrison uns noch einmal mit in 17. Jahrhundert nach Delaware und erzählt die Geschichte einer Trennung aus der Sicht mehrerer Frauen (und weniger Männer) neu. Das Innenleben spielt eine große Rolle, auch das der Räume:

„Es ist kein Raum mehr in diesem Raum. Meine Worte bedecken den Boden. Von nun an musst du stehen, um mich zu hören. Die Wände sind schwierig, weil das Licht der Lampe nicht weit genug reicht … Ich halte das Licht in der einen Hand und ritze die Buchstaben mit der anderen …“

Gnade, Hamburg 2010, S. 210

Lesetipp: Xiaolu Guo, „Ein Ufo, dachte sie“

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Das Foto ist von hier, wo auch ein Interview mit der Autorin nachzulesen ist.

„Ein Ufo, dachte sie“ – ein wunderbar humorvolles Buch im Protokollstil über das Landleben in China, das sich immer noch sehr stark von dem in den modernen Metropolen unterscheidet. Es stammt von Xiaolu Guo, die kürzlich auch ihr neuestes Buch „Ich bin China“ veröffentlicht hat. Wenig Interieur im Ufo-Buch, aber viele Einblicke in Lebensgefühle:

„Ich soll meinen Großvater verlassen und in einem Büro in der Stadt arbeiten. Dort werde ich kein Haus und keinen Menschen kennen. Ich werde dort so fremd sein, wie es der Fahrradflicker hier bei uns war. Ich fühle mich wie eine Zikade, die aus ihrer Haut schlüpfen und sie liegen lassen muss, wenn sie erwachsen werden will. Verstehen Sie, was ich damit meine?“

(btb 2011, S. 210)