Literatur (USA): George Saunders, Fuchs 8/Fox 8: A Story

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Fuchs 8 von George Saunders

“Ich wüsste gerne, was mit oich los is. Wi kann di selbe Sorte Tir, die die wunder schöne Mool geschaffen hat, es schaffen das Fuks 7 so aussa wi er aussa, als ich in das lezze Mal geseen hab?”

München 2019, Luchterhand, 4. Auflage

Mir ist eine Konvergenz zwischen Lifestyle und Kultur (in diesem Falle Literatur) aufgefallen:

Der Fuchs löst als Lifestyle-Motiv die Eule ab, sei es als Schmuckstück, Kissen- oder Tragetaschen-Dekor. Wie begehrt dieser Symbolträger der Schlauheit aktuell ist, zeigt Gabriela Kaiser von der gleichnamigen Trendagentur auch in ihrem neuen Trend Book 2021/22.

Gleichzeitig hat sich das Buch “Fuchs 8” von dem amerikanischen Autor George Saunders in die Herzen von Kritik und privatem Publikum gleichermaßen geschrieben.

Der “Fuks” hat seine ganz eigene Rechtschreibung (die Frank Heibert glaube ich gut vom Amerikanischen ins Deutsche gebracht hat) und hat eine wichtige Botschaft an die Menschen. Lesen!

Übrigens: Mit der Mool ist eine amerikanische Mall gemeint, die der Fuks einmal mit begeistert besucht hat.

Video (D): Henrike Naumann zur Ausstellung “Innenleben” im HDK

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Video zu Henrike Naumanns Installation “Ruinenwert” im Haus der Kunst.

Bis Ende März fand im Haus der Kunst in München die Ausstellung “Innenleben” statt, mit Kunstwerken internationaler Künstlerinnen und Künstler. Unter anderem sind hier auch Werke von Henrike Naumann zu sehen, die sich mit der nationalsozialistischen Geschichte des Hauses der Kunst auseinandersetzt.

Henrike Naumann (die künstlerisch viel mit Interieurs arbeitet), konnte historische Möbel aus dem Keller des Hauses der Kunst nutzen und hat die Installation “Ruinenwert” aufgebaut, die auch im Video zu sehen ist.

Digital kann man die gesamte Ausstellung “Innenleben” noch bis voraussichtlich Ende Juni 2020 hier besuchen.

 

 

 

 

 

Buchtipp für den Leseurlaub (Deutschland): Olga Grjasnowa, Gott ist nicht schüchtern

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Das antike Haus des Sankt Ananias im alten Christenviertel von Damaskus, das Foto ist von hier.

„Die Stadt ist inzwischen komplett zerstört: Der Asphalt ist verschwunden, genau wie die Einwohner. […] Zum ersten Mal wird ihm [Hammoudi in deir az-Zour] bewusst, aus wie vielen Tonnen Stein eine Stadt besteht. Die Wände zwischen den Häusern sind herausgeschlagen, damit die Einwohner nicht auf die Straße gehen müssen, sondern sich von Haus zu Haus bewegen können. […] Hammoudi wird von einem Kämpfer angehalten. […] Der Kämpfer trägt dem Jungen auf, Hammoudi zu  begleiten. Hammoudi sagt: „Ich bin hier geboren, ich kenne mich aus.“ Der Junge grinst. „Überall sind Scharfschützen. Du wirst alleine nicht weit kommen.“

Aufbau Verlag, Berlin, 2017/2, S. 187 f

„Das Boot wird mit fünfzig Menschen beladen, obwohl es eigentlich für acht konstruiert worden war.  […] Der Schmuggler zeigt sich unbeeindruckt und hebt mit nachsichtiger Überlegenheit sein Schnellfeuergewehr HK33, deutsches Fabrikat, Heckler & Koch.“

S.260 f

Gottist nicht„Gott ist nicht schüchtern“ von Olga Grjasnowa ist nichts für Leute, die im Urlaub Beschaulichkeit suchen. Eher für solche, die die Zeit nutzen möchten, sich politisch auf einen besseren Stand zu bringen.

In dem Roman werden die Wege eines jungen Syrers (Hammoudi) und einer jungen Syrerin (Amal) vom Frieden in den Krieg und die Flucht nachgezeichnet. Mich hat das Buch vor allem deshalb interessiert, weil Olga Grjasnowas Ehemann aus Syrien stammt und sie die (zerstörte) Lebenswelt von dort sicher gut kennt.

Das Buch ist, finde ich, erstklassig geschrieben –  kurz, in einem guten Tempo, sinnlich, unerschütterlich, nie sentimental.

Das luxuriöse Leben der weiblichen Protagonistin Amal hätte meines Erachtens allerdings nicht gar so ausgeschmückt werden müssen – vor allem deshalb nicht, weil Amal die ideale Identifikationsfigur hätte sein können, anhand der man den Verlust der Selbstverständlichkeit nacherlebt. Schön hätte ich es außerdem gefunden, wenn man die verschiedenen Kriegsparteien in Syrien mit dieser Lektüre hätte nachvollziehen können. Das muss man sich dann aber doch selbst ergoogeln.

Ansonsten sehr berührend, wichtig, erhellend, empfehlenswert.

 

Buchtipp (CHN): Cixin Liu, Die drei Sonnen

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Es gibt bereits einen chinesischen Film zu Three-Body. Hier einer der Haupt-Charaktere, Wang Miao, in seinem (trotz Mac und Datenbrille) Old School-Arbeitszimmer. Das Photo stammt von hier.

„Das All war für mich ein Palast, und der Mensch die einzige kleine Ameise in diesem riesigen Gebäude. Das führte dazu, dass ich das Leben sehr widersprüchlich betrachtete. Einerseits empfand ich es als unendlich kostbar, und ich nahm alles so wichtig. Dann wieder dachte ich, dass der Mensch so winzig und alles völlig bedeutungslos war.“

Professorin Ye Wenjie in „Die drei Sonnen“, München 2017/2, Seite 249.

Die drei Sonnen von Cixin Liu

Mit dem Science Fiction-Roman „Die drei Sonnen“ (in China bereits 2007 erschienen, auf deutsch 2016), dockt der Schriftsteller Cixin Liu an viele Themen an: an chinesische Geschichte und Politik, an das mathematische Dreikörperproblem, an die Existenz außerirdischer Lebensformen, an innere Heimatlosigkeit, an den Kampf zwischen unversehrten und versehrten Zivilisationen etc.

Ich empfand das Buch als sehr anregend, wenn auch nicht ganz so spektakulär wie z. B im „Spiegel“ gepriesen (Obama und Zuckerberg sollen z. B. totale Fans sein). Interessant fand ich die Sichtweise auf unseren Planeten als Paradies, weil wir Erd-Menschen durch konstante Planetenkonstellationen, Jahreszyklen und Wetterphänomene eigentlich so unheimlich sicher sein könnten. Und es dann fast überall auf der Welt eben doch nicht sind. Eine alternative Lesart des chaotischen Planeten als instabile Seelenlandschaft ist ebenfalls möglich – und ebenso überraschend wie die Innensicht in die (erstaunlich komplexen) Figuren in dieser Science Fiction.

Leseprobe

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Die junge Wissenschaftlerin Ye Wenjie ist vor allem zu Beginn des Romans handlungstragend.

Buchtipp: Klaus Modick, Konzert ohne Dichter

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Das Gemälde „Sommerabend“ (1905; Foto von hier) von Heinrich Vogeler, auf dem Rilke fehlt.

„Er hat dieses Buch ausgeschmückt (…) – ein Formenreichtum, der nach Farben schreit, nach giftigen, süßen, einschmeichelnden aufreizenden Farben. Im Aufbau sind die Blätter zwar organisch, doch der Rhythmus der Flächen formt eine geschlossene, exklusive Welt. Nirgends öffnet sich ein Horizont, nirgends ein Durchblick, nirgends eine neue Perspektive. Nirgends Freiheit. Ein schöner Vorhang, der die Wirklichkeit verbirgt, eine Mauer, die das Leben ausschließt.“

Klaus Modick, Konzert ohne Dichter, Köln 2015/16, S. 155

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Und jetzt, anlässlich der vergangenen Kölner Möbelmesse, etwas zum Thema Design und Gestaltung.

Wie ein lauschiger Lese-Spaziergang mutet Klaus Modicks „Konzert ohne Dichter“ (spielt im Juni 1905) über die Beziehung des Gestalters und Künstlers Heinrich Vogeler und des (in diesem Buch als ziemlich fordernd und unsympathisch charakterisierten) Dichters Rainer Maria Rilke an.

In dieser fiktiven Biographie liest man aber auch das Psychogramm eines erfolgreichen Gestalters, der in der Gebrauchskunst zu ersticken droht. Ein paar Jahre später bricht er dann ja auch politisch aus.

Und hier noch eine Sofa-Dreingabe frisch von der Möbelmesse, die zum üppig-sinnlichen Lifestyle von anno dazumal passt: “Cover” von Ligne Roset (Design: Marie-Christine Dorner).cover_1_01

Buchtipp: John Strelecky, Das Café am Rande der Welt

 

cafe-de-flore-cafe-4-cafesDieser thematische Stilbruch muss sein: Das Café de Flore in Paris. Das Foto ist von hier.

Danke, dass Ihr mir vom alten lesesofa hierher gefolgt seid! Mehr zum Thema “bewusst leben” findet ihr hier.

das_cafe_am_rande_der_welt-9783423209694Eigentlich dachte ich, ich hätte genug „Lebe deinen Traum“-Bücher gelesen, doch dieses Buch blieb mir an diversen Orten hart auf den Fersen, und als es dann im Büchertauschregal stand, nahm ich es resigniert mit.

Etwas langatmig und plump formuliert, bis es auf den Punkt kommt, aber trotzdem ein guter Kick in Richtung „Lebe deinen Traum“ (und eigentlich sollte man ja auch so lange immer wieder solche Bücher lesen, bis man ungefähr im Traum angekommen ist). Ein zweites Strelecky-Buch braucht’s dann aber nicht mehr. Interieur:

Verchromte Barhocker mit roten Sitzen waren unter einer langen, schmalen Theke aufgereiht. Unter den vorderen Fenstern gab es eine Reihe von roten Sitznischen … Auf einem hohen Tisch in der Nähe der Tür befand sich eine alte Kasse, und daneben stand ein Kleiderständer aus Holz.

München 2015, dtv, Seite 21f

Buchtipp: Sherman Alexie, “The Absolutely True Diary of a Part-Time Indian”

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Das Foto ist von hier.

9783060312634_COVER2D_4C_B300Großherzig, humorvoll, weise: The Absolutely True Diary of a Part-Time Indian (gibt es auch auf Deutsch) von dem indianischen Autor Sherman Alexie handelt von einem Indianerjungen und Außenseiter, der die Hoffnungslosigkeit des Lebens im Spokane-Reservat hinter sich lässt und außerhalb des Reservats zur Schule geht.

Eine Art indianischer „Tschick“, gekrönt mit Cartoons. Hat zu Recht viele Preise bekommen und kam zu mir über ein Bücher-Tauschregal.

Wenig Interieur, aber ab und zu doch:

When I was eight, nine and ten, I slept in my bedroom closet with the door closed. I only stopped doing it because my big sister, Mary, told me that I was just trying to find my way back into my mother’s womb. That ruined the whole closet thing.

Cornelsen 2013, Seite 28

Juri Ritcheu: Die Reise der Anna Odinzowa

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Auch innen sitzen die Tschuktschen auf Walskeletten, das Foto ist von hier.

Von dem sibirischen Aut0r Juri Rytcheu wollte ich schon lange einmal etwas lesen, schon allein, um mehr über den Schamanismus der Tschuktschen zu erfahren. Im Roman “Die Reise der Anna Odinzowa” wird erzählt, wie eine russische Ethnologin zur Schamanin ausgebildet wird. Trotz esoterischer Thematik sehr bodenständig und einfach erzählt. Auch das Interieur in den Jaranga-Zelten kommt in der Geschichte immer wieder vor:

In der linken Ecke flackerte lustig ein offenes Feuer, mit heller Flamme brannten darin Stücke einer trockenen Flosse … Am Kopfende des Pologs (= Ruhestätte) standen auf einem niedrigen Tischchen glänzende Flaschen mit dem üblen fröhlich machenden Wasser und Teetassen. Ein Teil der Gäste setzte sich auf den Kopfstützbalken, die anderen Namen auf den weißen Walwirbeln Platz, die als Hocker dienten.

Unionsverlag Zürich, 2000, S. 51

Buchtipp: John Williams, "Stoner"

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Der Autor John Williams stammte aus Texas in den USA, drum ein bisschen zeitgenössischer Lifestyle aus dem „Lone Star State“. Das Foto ist von hier.

Nachdem ich seit einem Jahr ständig von der Wiederentdeckung des Autors John Williams (1922 –1994) höre, habe ich jetzt endlich auch „Stoner“ über das Leben eines US-amerikanischen Literaturdozenten gelesen. Ein unspektakuläres Buch, das erst in der zweiten Hälfte an Tempo und Gefühl gewinnt. Dennoch empfehlenswert auf Grund der ganz eigenen Sprache, der erzählerischen Ruhe, der späten Liebesgeschichte und der Erkundung, wie eine große persönliche Katastrophe ganz klein beginnt.

Sofas und Interieurs gibt es massenhaft, hier ein Beispiel:

Sein Arbeitszimmer lag ebenerdig neben dem Wohnzimmer, und ein hohes Fenster wies nach Norden, sodass tagsüber sanftes Licht eindrang; (…) Und weil er von seinen Büchern umgeben sein wollte, machte er sich ans Werk und zimmerte ein Regal; in einem Trödelladen fand er ein paar klapprige Stühle, ein Sofa und einen alten Tisch, für die er ein paar Dollar zahlte, um sie dann in vielen Wochen zu restaurieren.

München, dtv 2014, S. 129

Übrigens: Wer nicht nur Sofas gucken, sondern ganz ernsthaft ein Sofa kaufen möchte, sollte sich vorher genau überlegen, welche Kriterien ihm wichtig sind. Anhaltspunkte für die richtige Entscheidung und viele weitere Tipps zum Sofa-Kauf findet Ihr auf dem Wohnportal http://www.zuhause.de, für das ich auch regelmäßig Artikel schreibe.