Buchtipp: John Strelecky, Das Café am Rande der Welt

 

cafe-de-flore-cafe-4-cafesDieser thematische Stilbruch muss sein: Das Café de Flore in Paris. Das Foto ist von hier.

Danke, dass Ihr mir vom alten lesesofa hierher gefolgt seid! Mehr zum Thema “bewusst leben” findet ihr hier.

das_cafe_am_rande_der_welt-9783423209694Eigentlich dachte ich, ich hätte genug „Lebe deinen Traum“-Bücher gelesen, doch dieses Buch blieb mir an diversen Orten hart auf den Fersen, und als es dann im Büchertauschregal stand, nahm ich es resigniert mit.

Etwas langatmig und plump formuliert, bis es auf den Punkt kommt, aber trotzdem ein guter Kick in Richtung „Lebe deinen Traum“ (und eigentlich sollte man ja auch so lange immer wieder solche Bücher lesen, bis man ungefähr im Traum angekommen ist). Ein zweites Strelecky-Buch braucht’s dann aber nicht mehr. Interieur:

Verchromte Barhocker mit roten Sitzen waren unter einer langen, schmalen Theke aufgereiht. Unter den vorderen Fenstern gab es eine Reihe von roten Sitznischen … Auf einem hohen Tisch in der Nähe der Tür befand sich eine alte Kasse, und daneben stand ein Kleiderständer aus Holz.

München 2015, dtv, Seite 21f

Buchtipp: Sherman Alexie, “The Absolutely True Diary of a Part-Time Indian”

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Das Foto ist von hier.

9783060312634_COVER2D_4C_B300Großherzig, humorvoll, weise: The Absolutely True Diary of a Part-Time Indian (gibt es auch auf Deutsch) von dem indianischen Autor Sherman Alexie handelt von einem Indianerjungen und Außenseiter, der die Hoffnungslosigkeit des Lebens im Spokane-Reservat hinter sich lässt und außerhalb des Reservats zur Schule geht.

Eine Art indianischer „Tschick“, gekrönt mit Cartoons. Hat zu Recht viele Preise bekommen und kam zu mir über ein Bücher-Tauschregal.

Wenig Interieur, aber ab und zu doch:

When I was eight, nine and ten, I slept in my bedroom closet with the door closed. I only stopped doing it because my big sister, Mary, told me that I was just trying to find my way back into my mother’s womb. That ruined the whole closet thing.

Cornelsen 2013, Seite 28

Buchtipp: John Williams, "Stoner"

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Der Autor John Williams stammte aus Texas in den USA, drum ein bisschen zeitgenössischer Lifestyle aus dem „Lone Star State“. Das Foto ist von hier.

Nachdem ich seit einem Jahr ständig von der Wiederentdeckung des Autors John Williams (1922 –1994) höre, habe ich jetzt endlich auch „Stoner“ über das Leben eines US-amerikanischen Literaturdozenten gelesen. Ein unspektakuläres Buch, das erst in der zweiten Hälfte an Tempo und Gefühl gewinnt. Dennoch empfehlenswert auf Grund der ganz eigenen Sprache, der erzählerischen Ruhe, der späten Liebesgeschichte und der Erkundung, wie eine große persönliche Katastrophe ganz klein beginnt.

Sofas und Interieurs gibt es massenhaft, hier ein Beispiel:

Sein Arbeitszimmer lag ebenerdig neben dem Wohnzimmer, und ein hohes Fenster wies nach Norden, sodass tagsüber sanftes Licht eindrang; (…) Und weil er von seinen Büchern umgeben sein wollte, machte er sich ans Werk und zimmerte ein Regal; in einem Trödelladen fand er ein paar klapprige Stühle, ein Sofa und einen alten Tisch, für die er ein paar Dollar zahlte, um sie dann in vielen Wochen zu restaurieren.

München, dtv 2014, S. 129

Übrigens: Wer nicht nur Sofas gucken, sondern ganz ernsthaft ein Sofa kaufen möchte, sollte sich vorher genau überlegen, welche Kriterien ihm wichtig sind. Anhaltspunkte für die richtige Entscheidung und viele weitere Tipps zum Sofa-Kauf findet Ihr auf dem Wohnportal http://www.zuhause.de, für das ich auch regelmäßig Artikel schreibe.

Lesetipp: Yasushi Inoue, "Das Jagdgewehr"

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Das Sofa auf dieser Seite hat die wunderbare Paperswapperin LaWendula für mich entdeckt. Danke!!!

Das dünne (rund 90 Seiten umfassende) und sehr poetische “Das Jagdgewehr” aus dem Jahr 1964 von Jasushi Inoue hat wenig mit der Leichtigkeit und Durchlässigkeit moderner japanischer Literatur à la Haruki Murakami oder Banana Yoshimoto gemein.

Die Geschichte um drei Frauen und einen Mann wiegt schwer und zeigt, wie katastrophal sich enttäuschte Liebe und Schweigen auf gleich mehrere Lebenswege auswirken können. Wenig Interieur, aber trotzdem viel Stimmung:

Als ich von meinem Fenster heruntersah, kam mir der Garten im Licht des unheimlich weißen Mondes wild wie der Strand irgend eines sehr nördlichen Strandes vor, und das Rauschen des Windes erinnerte mich an Wogen, die sich schäumend brachen …

Ich stapelte fünf, sechs Bücher eines Konversationslexikons an der Tür, damit diese nicht so leicht geöffnet werden konnte, zog die Vorhänge zu – ich fürchtete mich sogar vor dem Mondlicht, das ins Zimmer floß! – und rückte meine Tischlampe zurecht.

Das Jagdgewehr, Frankfurt 1998, S. 28 f

Buchtipp: Bruno Dörig, "Aus der Herzmitte leben"

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Dieses mystisch leuchtende Sofa von Ron Arad für Moroso auf der Mailänder Möbelmesse 2015 wird aktuell besonders gern und oft auf Design-Plattformen gezeigt, das Bild oben stammt von hier.

Das 120-seitige Büchlein “Aus der Herzmitte leben” ist ab und an ein klein wenig betulich. Insgesamt aber enthält es viele kurze, nahrhafte, erholsame Texte, mit deren Lektüre wir uns sehr schnell erden können.

Auch das Wohnen spielt eine wichtige Rolle, hier ein Auszug über den Kraftplatz:

Mein Kraftplatz besteht aus einer Sitzgelegenheit. Es ist kein besonders wertvoller Sessel mit allen Schikanen, sondern ein billiges Ding aus dem Kaufhaus … Der Stuhl steht in der Küche, an einem Ort, an dem ich mich gerne aufhalte. Der mächtige Holztisch ist in der Nähe, auf dem eine schöne, große Kerze steht … An diesen Ort bin ich zurückgekehrt nach schwierigen Perioden im Beruf … Hier habe ich neu Mut gefasst … Mein Kraftplatz ist nicht das Ergebnis von Planung und Studium, sondern er hat sich so ergeben.”

Eschbach 2009, S. 96 f

Lesetipp: Kristine Bilkau, "Die Glücklichen" und die Künstlerin Karen Ryan

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Es geht in dem 300-Seiten-Roman ums Prekariat. Nah dran am Thema ist Karen Ryan mit ihren widerspenstigen Stuhl-Arrangements. Das Foto ist von hier, mehr zur Designerin und Künstlerin hier.

Das Buch “Die Glücklichen” von Kristine Bilkau ist ein verständnisvoller, behutsamer Tröster, wenn Lebenswege anders laufen, als geplant. Es lohnt sich, bis zum Schluss dranzubleiben. Auch, wenn es bisher nur als Hardcover auf dem Markt ist. Danach holt man sich bei Bedarf ziemlich entspannt Lesestoff aus den Tausch-Regalen. Auch kommen viele Sofas vor, zum Beispiel hier:

Durch die kleinen Fenster dringt wenig Tageslicht, Maud schaltet eine Stehlampe neben dem Kachelofen an. Auf einem Couchtisch sieht er Bücher über Kräuter und Saatgut, daneben einige zerfledderte Exemplare, düstere Motive in Rot und Schwarz, wahrscheinlich Thriller. Neben dem Sofa steht ein Korb mit Holzscheiten. Kein Designkram, das hätte er anders erwartet.

München 2015, Seite 86

Buchtipp: Toni Morrison, „Gnade“

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Das Foto stammt von hier, wo auch ein langer Essay über Toni Morrison zu lesen ist.

Wie sie es nur immer wieder schafft, über die schlimmsten Dinge zu schreiben und einen dennoch reich beschenkt zurückzulassen … Ach, diese Sprache! In „Gnade“ aus dem Jahre 2008 nimmt Toni Morrison uns noch einmal mit in 17. Jahrhundert nach Delaware und erzählt die Geschichte einer Trennung aus der Sicht mehrerer Frauen (und weniger Männer) neu. Das Innenleben spielt eine große Rolle, auch das der Räume:

„Es ist kein Raum mehr in diesem Raum. Meine Worte bedecken den Boden. Von nun an musst du stehen, um mich zu hören. Die Wände sind schwierig, weil das Licht der Lampe nicht weit genug reicht … Ich halte das Licht in der einen Hand und ritze die Buchstaben mit der anderen …“

Gnade, Hamburg 2010, S. 210

Lesetipp: Xiaolu Guo, „Ein Ufo, dachte sie“

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Das Foto ist von hier, wo auch ein Interview mit der Autorin nachzulesen ist.

„Ein Ufo, dachte sie“ – ein wunderbar humorvolles Buch im Protokollstil über das Landleben in China, das sich immer noch sehr stark von dem in den modernen Metropolen unterscheidet. Es stammt von Xiaolu Guo, die kürzlich auch ihr neuestes Buch „Ich bin China“ veröffentlicht hat. Wenig Interieur im Ufo-Buch, aber viele Einblicke in Lebensgefühle:

„Ich soll meinen Großvater verlassen und in einem Büro in der Stadt arbeiten. Dort werde ich kein Haus und keinen Menschen kennen. Ich werde dort so fremd sein, wie es der Fahrradflicker hier bei uns war. Ich fühle mich wie eine Zikade, die aus ihrer Haut schlüpfen und sie liegen lassen muss, wenn sie erwachsen werden will. Verstehen Sie, was ich damit meine?“

(btb 2011, S. 210)