Buchtipp: Dörte Hansen, Altes Land

Buch/ Dörte Hansen: Altes Land

Das Foto ist von Spiegel-Online, von hier.

130_0647_153223_xxlGerade einmal zwei kleine Feuilleton-Rezensionen hat dieses Buch gemäß perlentaucher.de bekommen, dabei hätte es viel mehr verdient. Sprachlich herausragend, witzig, scharfsinnig, literarisch, satirisch, großzügig und thematisch relevant:

Es geht um Flüchtlinge, die Alten aus Ostpreußen und die modernen, die auch aus einer verlassenen alleinerziehenden Mutter bestehen können, die mit letzter Kraft Zuflucht bei einer Verwandten auf dem Land sucht. Glücklicherweise sind die Leser oft schlauer als die Rezensierenden, und so steht das „Alte Land“ eben dann doch auf Platz 2 der Spiegel-Bestsellerliste. Die heimliche Hauptperson ist ein altes Hallenhaus:

Sobald es still und dunkel wurde und die Vergessenen durch ihre Diele schlurften, die alten Stimmen aus den Wänden mit ihr flüsterten, dann traute sie dem Haus immer noch alles zu.

Knaus, München 2015, S. 281

 

 

 

10 Sofas aus Köln 2016

Hier nun noch eine letzte Nachlese zur Kölner Möbelmesse 2016 (18. bis 24.1.2016): 10 ausgewählte Sofas/Sitze made in Europe.

Das Haus 2016, Sebastian Herkner, imm cologne 2016
1 Firma Arflex, Italien, Design: Claesson/Koivisto/Rune
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2 Bretz, Deutschland
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3 Brühl, Deutschland, Design: Kati Meyer-Brühl
Das Haus 2016 Sebastian Herkner imm cologne 2016
4 Dedon, Deutschland, Design: Sebastian Herkner
DEU, Köln, Koelnmesse, imm cologne 2016. Featured Editions.
5 e15, Deutschland. Klar, kein Sofa, sondern: der original “Backenzahn”-Hocker von Philipp Mainzer und zahlreiche Kopien. Die Besucher durften raten, welches der echte ist.
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6 freistil Rolf Benz, Deuschland, Design: Sebastian Herkner
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7 Koinor, Deutschland, Evita, Design: Tamara Härty
Guadaloupe geel  0001
8 Leolux, Niederlande, Design: Christian Werner
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9 Sancal, Portugal, Design: Yonoh
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10 Verzelloni, Italien

Bücher auf der Kölner Möbelmesse, Teil 3

Und hier nun der dritte und letzte Post zu der Frage, ob eigentlich überhaupt noch Bücher dekoriert werden (oder ob sie doch aussterben). Auch diese Fotos stammen von der Kölner Möbelmesse (lief bis 24.1.) und den sie umgebenden Showrooms.

Paschen
Dank der Initiative zweier Unternehmer konnte die ruhmreiche Bibliotheksfirma Paschen gerettet werden. Bei Paschen gibt es jetzt immer noch die gewohnt klassischen Bibliotheken und Regale. Aber auch dieses coole neue, ohne Handwerkszeug zu montierende Regal namens Urban Concept One.
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Hier dürfen nur blaue Bücher stehen – ich habe auch schon mal versucht, mit farblich geordneten Büchern zu leben, fand es aber zu unpraktisch.
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Ein verlockendes Coffetable-Book auf dem Stand eines Designers in dem Showroom der Design Post.
RolfBenz
Markenmöbelanbieter Rolf Benz macht sich mit dieser Deko nicht nur ums Lesen, sondern auch um die Schreibkultur verdient.

 

Cassina (2)
Die Italiener bleiben den Büchern am treusten: Auf vielen ihrer Stände waren Bücher dekoriert. Diese rustikale Stand-Installation wurde übrigens von Designerin Patricia Urquiola gestaltet.
Cor
Amerikanische Literatur bei Polstermöbelhersteller Cor: Dort lag ein Buch von F. Scott Fitzgerald aus.

Bücher auf der imm cologne, Teil 2

Weiter geht’s mit der Büchersuche. In den Designhallen der Kölner Möbelmesse und in der nahe gelegenen Design Post waren sehr eigenwillige Buchdekos zu sehen.

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Breuer Bono: Minimalistisch.
SoonSaloon
Soon Saloon: Prototyp einer poetischen Bücherbank von Jacqueline le Bleu, die Buchtitel sind aus urheberrechtlichen Gründen erfunden.
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Von Sonja Rajic aus Serbien: Dieses Nachttischchen könnte ich gut brauchen.
Lema
Gesehen bei Lema in der Design Post: Wirklich praktischer als ein Regal?
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Deutsches Tapeteninstitut: Schade, die Installation war nicht begehbar, ich hätte zu gern gewusst, wie der Bücherturm in der Mitte des Raumes fixiert wurde.

 

Bücher auf der imm cologne, Teil 1

Auf Empfehlung eines Insiders habe ich mir auf der Kölner Möbelmesse (läuft noch bis Sonntag, 24.1., ab heute auch für Privatbesucher) die Halle 8 angesehen – sehenswert vor allem deswegen, weil sie sehr international ist und günstige Möbel anbietet.

In dieser Halle sind viele Firmen, die sich auf das Junge Wohnen spezialisiert haben – mal schauen, ob sie in ihrer Deko noch auf das analoge Buch setzen:

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Karup – sehr schön, echte gedruckte Bücher.
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Tvilum – immerhin, Notizbücher.

 

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Scandinavian Design – übrigens aus Vietnam, beauftragt aber skandinavische Designer – hier ist das Buch in Form einer Tapete gegenwärtig.
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Arte Mob – zwar ebenfalls mit Büchertapete (über dem Bett), aber ganz wollte man hier wohl doch nicht auf den echten Lesestoff verzichten …
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Turkish National Pavillon – immerhin sind die Bücher geistig anwesend …
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Canett – kein Buch, aber Print: Papiertaschen als stylische Recyclingidee für Zeitungen.

Buchtipp: Fuminori Nakamura, Der Dieb

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Naoto Fukasawa hat eine Fertighütte für die japanische Firma Muji entworfen, die kürzlich auf der Tokio Design Week vorgestellt wurde. Das Bild ist von hier.

978-3-257-06945-7Ich finde es immer wieder erschreckend, wie viel Einsamkeit in zeitgenössischen japanischen Romanen zu spüren ist. So eine Art Gefühls-Minimalismus. „Der Dieb“ macht da keine Ausnahme.

In westlichen Medien als „der neue Haruki Murakami“ gehypt, lässt der knapp vierzigjährige japanische Autor Fuminori Nakamura seine Hauptperson stehlend durch Tokio ziehen. Engere Beziehungen als diejenigen zu den Bestohlenen hat der Ich-Erzähler kaum.

Nakamuras Welt ist allerdings noch wesentlich kälter und härter als diejenige von anderen japanischen Autoren (siehe hier), nahezu stählern und – das ist wiederum typisch – etwas surreal und spooky. Das Interieur auch:

„Ich fühlte mich auf einmal wie allein zurückgelassen in dieser Welt … Außer dem Stahlrohrbett, dem Schrank und dem Bügelbrett gab es nichts Bemerkenswertes in dem Zimmer. Aus einem Riss in den Tatamimatten ragten Kunstfasern heraus wie Pfähle.“

Fuminori Nakamura, Der Dieb, Zürich, Diogenes, 2015, S. 23.f

 

 

Buchtipp: John Strelecky, Das Café am Rande der Welt

 

cafe-de-flore-cafe-4-cafesDieser thematische Stilbruch muss sein: Das Café de Flore in Paris. Das Foto ist von hier.

Danke, dass Ihr mir vom alten lesesofa hierher gefolgt seid! Mehr zum Thema “bewusst leben” findet ihr hier.

das_cafe_am_rande_der_welt-9783423209694Eigentlich dachte ich, ich hätte genug „Lebe deinen Traum“-Bücher gelesen, doch dieses Buch blieb mir an diversen Orten hart auf den Fersen, und als es dann im Büchertauschregal stand, nahm ich es resigniert mit.

Etwas langatmig und plump formuliert, bis es auf den Punkt kommt, aber trotzdem ein guter Kick in Richtung „Lebe deinen Traum“ (und eigentlich sollte man ja auch so lange immer wieder solche Bücher lesen, bis man ungefähr im Traum angekommen ist). Ein zweites Strelecky-Buch braucht’s dann aber nicht mehr. Interieur:

Verchromte Barhocker mit roten Sitzen waren unter einer langen, schmalen Theke aufgereiht. Unter den vorderen Fenstern gab es eine Reihe von roten Sitznischen … Auf einem hohen Tisch in der Nähe der Tür befand sich eine alte Kasse, und daneben stand ein Kleiderständer aus Holz.

München 2015, dtv, Seite 21f

Buchtipp: Sherman Alexie, “The Absolutely True Diary of a Part-Time Indian”

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Das Foto ist von hier.

9783060312634_COVER2D_4C_B300Großherzig, humorvoll, weise: The Absolutely True Diary of a Part-Time Indian (gibt es auch auf Deutsch) von dem indianischen Autor Sherman Alexie handelt von einem Indianerjungen und Außenseiter, der die Hoffnungslosigkeit des Lebens im Spokane-Reservat hinter sich lässt und außerhalb des Reservats zur Schule geht.

Eine Art indianischer „Tschick“, gekrönt mit Cartoons. Hat zu Recht viele Preise bekommen und kam zu mir über ein Bücher-Tauschregal.

Wenig Interieur, aber ab und zu doch:

When I was eight, nine and ten, I slept in my bedroom closet with the door closed. I only stopped doing it because my big sister, Mary, told me that I was just trying to find my way back into my mother’s womb. That ruined the whole closet thing.

Cornelsen 2013, Seite 28

Buchtipp: Yasmina Khadra, „Die Lämmer des Herrn“

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Foto: Palais de la Culture, Tlemcen

Liebe Lesesofa-Freundinnen und -Freunde, danke, dass ihr mir vom alten lesesofa hierher gefolgt seid!
32623692zYasmina Khadra zeigt in „Die Lämmer des Herrn“ (1998) eindrucksvoll, dass politische Haltungen und Handlungen immer persönlich/privat motiviert sind. Schauplatz ist ein Dorf nahe des Tlemcen-Gebirges in Algerien. Hartes Thema schön geschrieben. Mit Interieur:

„Der Cheikh sitzt mit glattrasiertem, gesalbtem Schädel im Schneidersitz auf einer Schilfrohrmatte, vor sich ein winziges Lesepult, darauf ein aufgeschlagenes Buch. In seiner Hand klickert und klackert eine Gebetsschnur, deren Perlen im Takt durch seine Finger gleiten. Hinter ihm befindet sich eine kümmerliche Bibliothek aus wenigen dickleibigen Werken, sonst nichts: weder Stuhl noch Hocker, weder Karaffe noch Krug; nur nackte Wände und in einem Mauerspalt ein dürres Räucherstäbchen, das sich in kaum wahrnehmbaren Duftkringeln verströmt.“

AtV 2004, Seite 91

Buchtipp: Ken Follet, “Die Leopardin”

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Liebe Lesesofa-Freundinnen und -Freunde, danke, dass ihr mir vom alten lesesofa hierher gefolgt seid!

Sieht fast schon wieder modern aus: Sofa „Clam“, ca. 1944, dem Designer Philip Arctander aus Norwegen und der Firma Vik & Blindheim zugeschrieben. Foto von hier.

Man (also ich auf jeden Fall) neigt ja immer schnell mal dazu, Bestseller-Autoren zu unterschätzen. Ich war zuletzt ganz überrascht von „Die Leopardin“ von Ken Follet, die ich in einem Büchertauschregal fand. Ein Roman über eine mutige britische Agentin in der französischen Résistance 1944. Spannend und lehrreich (aber die Folterszenen müssten nicht sein). Mit Interieur:

„Seit das Büro 1940 in aller Eile eingerichtet war, hatte sich nichts darin verändert: ein billiger Schreibtisch, ein ausgetretener Läufer, Stühle, die nicht zueinanderpassten.“

BasteiLübbe 2004, Seite 78