Weiter geht’s mit der Büchersuche. In den Designhallen der Kölner Möbelmesse und in der nahe gelegenen Design Post waren sehr eigenwillige Buchdekos zu sehen.





Weiter geht’s mit der Büchersuche. In den Designhallen der Kölner Möbelmesse und in der nahe gelegenen Design Post waren sehr eigenwillige Buchdekos zu sehen.





Auf Empfehlung eines Insiders habe ich mir auf der Kölner Möbelmesse (läuft noch bis Sonntag, 24.1., ab heute auch für Privatbesucher) die Halle 8 angesehen – sehenswert vor allem deswegen, weil sie sehr international ist und günstige Möbel anbietet.
In dieser Halle sind viele Firmen, die sich auf das Junge Wohnen spezialisiert haben – mal schauen, ob sie in ihrer Deko noch auf das analoge Buch setzen:







Ich finde es immer wieder erschreckend, wie viel Einsamkeit in zeitgenössischen japanischen Romanen zu spüren ist. So eine Art Gefühls-Minimalismus. „Der Dieb“ macht da keine Ausnahme.
In westlichen Medien als „der neue Haruki Murakami“ gehypt, lässt der knapp vierzigjährige japanische Autor Fuminori Nakamura seine Hauptperson stehlend durch Tokio ziehen. Engere Beziehungen als diejenigen zu den Bestohlenen hat der Ich-Erzähler kaum.
Nakamuras Welt ist allerdings noch wesentlich kälter und härter als diejenige von anderen japanischen Autoren (siehe hier), nahezu stählern und – das ist wiederum typisch – etwas surreal und spooky. Das Interieur auch:
„Ich fühlte mich auf einmal wie allein zurückgelassen in dieser Welt … Außer dem Stahlrohrbett, dem Schrank und dem Bügelbrett gab es nichts Bemerkenswertes in dem Zimmer. Aus einem Riss in den Tatamimatten ragten Kunstfasern heraus wie Pfähle.“
Fuminori Nakamura, Der Dieb, Zürich, Diogenes, 2015, S. 23.f
Dieser thematische Stilbruch muss sein: Das Café de Flore in Paris. Das Foto ist von hier.
Danke, dass Ihr mir vom alten lesesofa hierher gefolgt seid! Mehr zum Thema “bewusst leben” findet ihr hier.
Eigentlich dachte ich, ich hätte genug „Lebe deinen Traum“-Bücher gelesen, doch dieses Buch blieb mir an diversen Orten hart auf den Fersen, und als es dann im Büchertauschregal stand, nahm ich es resigniert mit.
Etwas langatmig und plump formuliert, bis es auf den Punkt kommt, aber trotzdem ein guter Kick in Richtung „Lebe deinen Traum“ (und eigentlich sollte man ja auch so lange immer wieder solche Bücher lesen, bis man ungefähr im Traum angekommen ist). Ein zweites Strelecky-Buch braucht’s dann aber nicht mehr. Interieur:
Verchromte Barhocker mit roten Sitzen waren unter einer langen, schmalen Theke aufgereiht. Unter den vorderen Fenstern gab es eine Reihe von roten Sitznischen … Auf einem hohen Tisch in der Nähe der Tür befand sich eine alte Kasse, und daneben stand ein Kleiderständer aus Holz.
München 2015, dtv, Seite 21f

Das Foto ist von hier.
Großherzig, humorvoll, weise: The Absolutely True Diary of a Part-Time Indian (gibt es auch auf Deutsch) von dem indianischen Autor Sherman Alexie handelt von einem Indianerjungen und Außenseiter, der die Hoffnungslosigkeit des Lebens im Spokane-Reservat hinter sich lässt und außerhalb des Reservats zur Schule geht.
Eine Art indianischer „Tschick“, gekrönt mit Cartoons. Hat zu Recht viele Preise bekommen und kam zu mir über ein Bücher-Tauschregal.
Wenig Interieur, aber ab und zu doch:
When I was eight, nine and ten, I slept in my bedroom closet with the door closed. I only stopped doing it because my big sister, Mary, told me that I was just trying to find my way back into my mother’s womb. That ruined the whole closet thing.
Cornelsen 2013, Seite 28
Foto: Palais de la Culture, Tlemcen
Liebe Lesesofa-Freundinnen und -Freunde, danke, dass ihr mir vom alten lesesofa hierher gefolgt seid!
Yasmina Khadra zeigt in „Die Lämmer des Herrn“ (1998) eindrucksvoll, dass politische Haltungen und Handlungen immer persönlich/privat motiviert sind. Schauplatz ist ein Dorf nahe des Tlemcen-Gebirges in Algerien. Hartes Thema schön geschrieben. Mit Interieur:
„Der Cheikh sitzt mit glattrasiertem, gesalbtem Schädel im Schneidersitz auf einer Schilfrohrmatte, vor sich ein winziges Lesepult, darauf ein aufgeschlagenes Buch. In seiner Hand klickert und klackert eine Gebetsschnur, deren Perlen im Takt durch seine Finger gleiten. Hinter ihm befindet sich eine kümmerliche Bibliothek aus wenigen dickleibigen Werken, sonst nichts: weder Stuhl noch Hocker, weder Karaffe noch Krug; nur nackte Wände und in einem Mauerspalt ein dürres Räucherstäbchen, das sich in kaum wahrnehmbaren Duftkringeln verströmt.“
AtV 2004, Seite 91
Liebe Lesesofa-Freundinnen und -Freunde, danke, dass ihr mir vom alten lesesofa hierher gefolgt seid!
Sieht fast schon wieder modern aus: Sofa „Clam“, ca. 1944, dem Designer Philip Arctander aus Norwegen und der Firma Vik & Blindheim zugeschrieben. Foto von hier.
Man (also ich auf jeden Fall) neigt ja immer schnell mal dazu, Bestseller-Autoren zu unterschätzen. Ich war zuletzt ganz überrascht von „Die Leopardin“ von Ken Follet, die ich in einem Büchertauschregal fand. Ein Roman über eine mutige britische Agentin in der französischen Résistance 1944. Spannend und lehrreich (aber die Folterszenen müssten nicht sein). Mit Interieur:
„Seit das Büro 1940 in aller Eile eingerichtet war, hatte sich nichts darin verändert: ein billiger Schreibtisch, ein ausgetretener Läufer, Stühle, die nicht zueinanderpassten.“
BasteiLübbe 2004, Seite 78
Sofa und Teppich gestaltet von dem britischen Designer Ron Arad für Moroso und Nanimarquina.
„Was mit Kate geschah“ von Catherine O’Flynn ist ein melancholisches, humorvolles Buch mit viel Zärtlichkeit für die Charaktere. Ich habe es sehr, sehr gern gelesen – auch, weil es in einem (trostlosen) Einkaufszentrum (in England) spielt und ich selbst mal beruflich damit zu tun hatte.
Es gibt einige Ambiente-Beschreibungen, u. a. von der Müllsammelsteller des Zentrums:
Neben den Containern hatten Eric und Tone eine Art Minislum errichtet, bestehend aus zwei Haupthütten und mehreren
Nebengebäuden, allesamt erbaut aus alten Präsentationsständern, Pappaufstellern einstiger Attraktionen und alten Teppichbodenstücken. Hier pflegten sie auf Sperrmüllstühlen vor ihren Behausungen zu sitzen wie Siedler, die von ihrem Veranda-Schaukelstuhl aus den Blick über ihr Land schweifen zu lassen. Es war schwer, sich Eric und Tone außerhalb ihres Müllreiches vorzustellen, aber jeden Abend, Punkt 6 Uhr, gingen sie los, in ihr richtiges Zuhause …
München, Random House, 2011, S. 142 f
Das F
oto stammt von hier.
Diese zeitlose wahre Geschichte eines Flüchtlingsjungen zeigt, wie es gehen kann, wenn es gut geht. Das Herkunftsland wird nur am Rande erwähnt. Alles in “Im Meer schwimmen Krokodile” von Fabio Geda ist letztendlich darauf ausgerichtet, die Wichtigkeit jedes einzelnen helfenden Menschen auf dem Weg des zehnjährigen Enaiatollah Akbari zu zeigen. Ab und zu werden in diesem liebens- und lesenswerten Buch auch Wohnorte beschrieben.
Das Küchenpersonal hatte ein eigenes Zimmer. Wir waren zu fünft, darunter ein älterer Mann, den ich sofort mochte. Er heißt Zaman und gab mir Ratschläge, wie ich es Onkel Rahim recht machen konnte, ohne mich zu überarbeiten. Im Samavat [Herberge] gab es Einzelzimmer für diejenigen mit mehr Geld, große Zimmer für Familien mit Kindern wie das, in dem ich mit meiner Mutter gewohnt habe, und einen Männerschlafsaal … Überall Rauch und Lärm.
btb 2012, München, S. 35
Das Foto stammt von dem Psychoanalytiker und Künstler Jon Meyer.
Aus aktuellem Anlass, dankenswerterweise nicht mich persönlich betreffend, habe ich „Kalt erwischt“ von Heide Fuhljahn gelesen. Darin schildert sie aufrichtig und nachvollziehbar ihre Depressionen und ihre schrittweise Heilung.
Lesenswert nicht nur für diejenigen, die schon einmal direkt damit zu tun hatten, und ein bisschen Interieur gibt es auch:
“Noch leicht verdattert folgten Birgit und ich ihr mit meinem Gepäck durch einen breiten Flur im zweiten Stock der Klinik. Die Wände waren in einem hellen Gelb gestrichen, durch große Fenster flutete die Sonne.” München, Diana Verlag, Seite 35