Lesetipp (Israel): Ayelet Gundar-Goshen, Löwen wecken

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Der Roman spielt in Be’er-Sheva, Israel, hier eine Straße aus dem Umland. Foto: Wiki Commons

Wenn ich bis zu diesem Tag des Jahres nur ein Buch aus meiner diesjährigen Lektüre 908aaaf11825c56af93c49070920563bempfehlen dürfte, dann wäre es Löwen wecken von der israelischen Autorin Ayelet Gundar-Goshen. Ein israelischer Arzt überfährt in der Wüste um Be’er-Sheva  in Israel einen eritreischen Flüchtling  und begeht Fahrerflucht. Am nächsten Tag steht die Witwe des Überfahrenen vor ihm, ihm war am Unfallort sein Pass aus der Tasche gefallen.

Aus dieser Begebenheit entwickelt sich eine ungeheuerliche Geschichte, in der man mit so ziemlich allen existentiellen Fragen des Lebens konfrontiert wird. Besonders gut fand ich: Die Ehrlichkeit, mit der die Erzählerin die schier unüberwindliche Fremdheit aufzeigt, die man gegenüber Menschen empfindet, die nicht aus dem eigenen Kulturkreis stammen. Eine geschmeidige Sprache, eine große Tiefe der Charaktere, die sich in der Geschichte weiterentwickeln. Ja, lesen!

Leseprobe (auf der Seite nach unten scrollen)

 

 

Lesetipp: Don Winslow, Tage der Toten & Das Kartell

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“Ein besonderes Verhältnis zum Tod”: Das Foto von Rebecca Erken stammt von hier .

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“Diese Farbenfülle, diese Liebe zur Natur, diese Lebenslust ist es, was ihn an der mexikanischen Spielart des Katholizismus so sehr begeistert, die unbekümmerte Vermischung heidnischer Symbolik mit einem innigen, unerschütterlichen Christusglauben … Nein, die Mexikaner besitzen die angeborene Weisheit, die seelische Spannweite – wie soll man sagen – um diese und auch die nächste Welt mit einer einzigen Umarmung zu vereinen.”

Tage der Toten, Suhrkamp 2015, S. 240

Selten so metaphysisch wie in diesem Zitat, sondern meist hart, kalt, drastisch, grausam und mit einem unterirdischen Frauenbild ausgestattet – dennoch empfehle ich die Lektüre von “Tage der Toten” oder “Das Kartell” von Don Winslow auf jeden Fall (das erste Buch ist fast 700 Seiten dick, das zweite über 800 Seiten; mir hat eins gereicht). Schon wegen seiner nüchternen und zugleich fiebrigen Sprache.

Es geht um die Drogenkriege in Mexiko. Darum, wie nah der Tod in Mexiko ist. Darum, dass die institutionellen Kämpfe, die vor unseren Augen ausgetragen werden, nicht diejenigen sind, die wirklich stattfinden. Um Leidenschaft, eine Lebensaufgabe, Gerechtigkeit – und die Gefahr, all das zu verlieren. Der passende Film dazu: Sin nombre.

Buchtipp: Sherman Alexie, “The Absolutely True Diary of a Part-Time Indian”

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Das Foto ist von hier.

9783060312634_COVER2D_4C_B300Großherzig, humorvoll, weise: The Absolutely True Diary of a Part-Time Indian (gibt es auch auf Deutsch) von dem indianischen Autor Sherman Alexie handelt von einem Indianerjungen und Außenseiter, der die Hoffnungslosigkeit des Lebens im Spokane-Reservat hinter sich lässt und außerhalb des Reservats zur Schule geht.

Eine Art indianischer „Tschick“, gekrönt mit Cartoons. Hat zu Recht viele Preise bekommen und kam zu mir über ein Bücher-Tauschregal.

Wenig Interieur, aber ab und zu doch:

When I was eight, nine and ten, I slept in my bedroom closet with the door closed. I only stopped doing it because my big sister, Mary, told me that I was just trying to find my way back into my mother’s womb. That ruined the whole closet thing.

Cornelsen 2013, Seite 28

Lesetipp: Xiaolu Guo, „Ein Ufo, dachte sie“

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Das Foto ist von hier, wo auch ein Interview mit der Autorin nachzulesen ist.

„Ein Ufo, dachte sie“ – ein wunderbar humorvolles Buch im Protokollstil über das Landleben in China, das sich immer noch sehr stark von dem in den modernen Metropolen unterscheidet. Es stammt von Xiaolu Guo, die kürzlich auch ihr neuestes Buch „Ich bin China“ veröffentlicht hat. Wenig Interieur im Ufo-Buch, aber viele Einblicke in Lebensgefühle:

„Ich soll meinen Großvater verlassen und in einem Büro in der Stadt arbeiten. Dort werde ich kein Haus und keinen Menschen kennen. Ich werde dort so fremd sein, wie es der Fahrradflicker hier bei uns war. Ich fühle mich wie eine Zikade, die aus ihrer Haut schlüpfen und sie liegen lassen muss, wenn sie erwachsen werden will. Verstehen Sie, was ich damit meine?“

(btb 2011, S. 210)

imm cologne 2015: Kölner Sofas und Bücher – Sofas and Books

Wenn es nach den Möbelmenschen geht, dann bleiben uns physische Bücher erhalten. Vor allem die Italiener haben auf der Kölner Möbelmesse (imm cologne, geht noch bis morgen, 25.01.2015) fleißig Bücher dekoriert. Kürzlich las ich, dass die Digital Natives erstaunlich oft zu gedruckten Büchern greifen. Vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt, massenhaft für gedruckte Bücher einzutreten? Also für das geniale Book-Book?

Colico

Colico

Vitra

Vitra

Frigerio

Frigerio

Verzelloni

Verzelloni

Galotti&Radice

Galotti&Radice

ipDesign

ip Design Ätsch. Die Bücherregale im Hintergrund sind eine Tapete. Aber mit dem Bücherstapel davor zeigt dieser deutsche Anbieter, dass es ihm ernst ist.

RichardLampert

Richard Lampert

Muss man noch dazu schreiben, dass Grau eine Trendfarbe ist? Bonjour Tristesse.