Lesetipp: Don Winslow, Tage der Toten & Das Kartell

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“Ein besonderes Verhältnis zum Tod”: Das Foto von Rebecca Erken stammt von hier .

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“Diese Farbenfülle, diese Liebe zur Natur, diese Lebenslust ist es, was ihn an der mexikanischen Spielart des Katholizismus so sehr begeistert, die unbekümmerte Vermischung heidnischer Symbolik mit einem innigen, unerschütterlichen Christusglauben … Nein, die Mexikaner besitzen die angeborene Weisheit, die seelische Spannweite – wie soll man sagen – um diese und auch die nächste Welt mit einer einzigen Umarmung zu vereinen.”

Tage der Toten, Suhrkamp 2015, S. 240

Selten so metaphysisch wie in diesem Zitat, sondern meist hart, kalt, drastisch, grausam und mit einem unterirdischen Frauenbild ausgestattet – dennoch empfehle ich die Lektüre von “Tage der Toten” oder “Das Kartell” von Don Winslow auf jeden Fall (das erste Buch ist fast 700 Seiten dick, das zweite über 800 Seiten; mir hat eins gereicht). Schon wegen seiner nüchternen und zugleich fiebrigen Sprache.

Es geht um die Drogenkriege in Mexiko. Darum, wie nah der Tod in Mexiko ist. Darum, dass die institutionellen Kämpfe, die vor unseren Augen ausgetragen werden, nicht diejenigen sind, die wirklich stattfinden. Um Leidenschaft, eine Lebensaufgabe, Gerechtigkeit – und die Gefahr, all das zu verlieren. Der passende Film dazu: Sin nombre.

Kultur- und Lesetipp: “Wetransform” & Tea Mäkipääs Homepage

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Foto oben: “Atlantis”: Von 2007 bis 2014 versenkte Tea Mekipää ortstypische Häuser in den Gewässern europäischer Städte, hier ein Foto aus Rostock. Das Bild stammt von hier.

Im neuen museum in Nürnberg wird zur Zeit die sehenswerte Ausstellung „Wetransform – Grenzen des Wachstums“  (noch bis 19.6., Führungen Samstag und Sonntag) gezeigt. Es gibt viele alte und neue Kunstpositionen zum Thema zu sehen. Man muss allerdings einen freien Kopf in die Ausstellung mitbringen. Die Kunst ist zwar stylisch und materialbewusst, aber unübersichtlich präsentiert. Am besten, man nimmt an einer Führung teil.

Besonders gut zugänglich und originell fand ich die Werke der finnischen Künstlerin Tea Mäkipää. Mein heutiger Lesetipp ist deshalb ihre Hompage, wo viele Projekte von ihr übersichtlich vorgestellt und erklärt werden.

 

 

 

 

 

 

Buchtipp: Ursula K. Le Guin, Erdsee

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Das Foto ist von hier, wo der Animé-Film “Tales from Earthsea” von Goro Miyazak vorgestellt wird. Er ist, wie die US-amerikanische Verfilmung aus dem Jahr 2004, ist sehr umstritten.

csm_produkt-8702_77c5f4b835Die US-amerikanische Science-Fiction- und Fantasy-Autorin Ursula K. Le Guin steht schon seit Anfang der 1990er auf meiner Leseliste. Jetzt ist mir endlich ihre Erdsee-Trilogie (1960 bis 1972) begegnet, und ich habe sie sehr gern gelesen – obwohl Fantasy nicht meins ist. (Das vierte, 1990 erschienene Buch kenne ich noch nicht).

Vor allem der erste Band, „Der Magier der Erdsee“ hat mich beeindruckt. Eigentlich eine psychologische Studie eines Menschen und seines „Schattens“, aber auf eine sehr zeitlose mythologische Ebene gehoben; wenige, dafür umso eingehender gezeichnete Charaktere; eine langsame poetische Erzählweise.

Viel Landschaft, viel Meer, wenig Interieur:

„Endlich aber merkte er, dass er in einem Bett lag. Allerdings war es ein Bett, das ihm völlig fremd und ungewohnt war. Er lag auf einem Rahmen, der auf vier hohen, ungeschützten Beinen stand. Die seidenen Matratzen waren mit Daunen gefüllt, daher rührte wohl das Gefühl des Schwebens, wohl um den Luftzug abzuhalten … Ged sah einen Raum, dessen Wände und Boden aus Stein waren. Durch drei hohe Fenster sah er das kahle, braune Moor …“

Erdsee, Heyne 1989, S. 143

 

 

 

 

 

 

 

 

Lesetipp: Dirk Kurbjuweit, Kriegsbraut

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Kilim Chair aus Afghanistan, das Foto ist von hier.

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Den sehr flüssig geschriebenen Roman “Kriegsbraut” des Journalisten Dirk Kurbjuweit über eine deutsche Soldatin in Afghanistan habe ich mehr oder weniger in einem Rutsch gelesen. Er funktioniert m.E. am besten, wenn man ihn als leicht lesbare, fiktiv gestaltete Dokumentation eines Soldatinnenlebens in Afghanistan liest. Als solche würde ich das Buch auch unbedingt empfehlen. Sehr gut nachvollziehbar: der trügerische Schein der Normalität im Kriegseinsatz. Wenig Interieur:

„Er hatte sich für Afghanistan gemeldet, weil er die Zulage brauchte, um einen Wintergarten bauen zu können.“ S. 140

„Er zeigte auf einen Stuhl, der an einem Besprechungstisch stand … Sie stellte sich hinter den Stuhl, der Kommandeur verharrte an seinem Schreibtisch und las in einem Papier, das vor ihm lag. Er sah auf, schien überrascht, dass sie noch stand und sagte: „Bitte setzen Sie sich.“ Sie setzte sich auf die Kante des Stuhls. Der Kommandeur trat heran und zeigte auf zwei Thermoskannen.“ S. 250

Rowohlt , Berlin 2011

Buchtipp: Deepak Chopra, Feuer im Herzen

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978-3-257-23985-0Der „Knowledge Tree“ und die Poufs im Foto unten stammen von dem indischen Nachwuchsdesigner Hardik Gandhi, der u. a. den Elle Decor Young Talent Award gewonnen hat. Entdeckt habe ich ihn hier.

Ich bin keine Spezialistin in Sachen spirituelle Literatur, aber dass mir der indische Amerikaner Deepak Chopra erst jetzt begegnet, wundert mich trotzdem. Immerhin ist er fast 70 Jahre alt, Autor vieler Bücher und Arzt.

Für mich war Feuer im Herzen  (eine spirituelle Anleitung für einen fünfzehnjährigen Jungen und für alle anderen) auf jeden Fall eine Entdeckung. Großzügig, weise, warmherzig, leichtfüßig. Mit vielen neuen Möglichkeiten der Erkenntnis.

Interieur sind in diesem Buch Natur und Seele. Hier der Buchanfang:

„Ein fünfzehnjähriger Junge steht hoch oben auf einem grünen Hügel, und sein Blick schweift über das Tal, das noch weitaus grüner und üppiger ist. Es erstreckt sich in Wellen, so weit das Auge reicht; der Junge hat den Eindruck, es würde nie enden … ‚Ich sehe, dass all das mein ist‘, sagt der Junge.“

Zürich 2006, Diogenes, Seite 9

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Buchtipp: Meg Wolitzer, The Interestings/Die Interessanten

 

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Apropos “Sand” (siehe Zitat): Die Künstlerin Anca Munteanu Rimnic, die auch kreativ für die Sofamarke freistil tätig ist, erinnert mit dieser keramischen Arbeit an die Muster von Kelims aus ihrer Heimat Rumänien

9783832163396.jpg.23452Auf rund 600 Seiten schreibt Meg Wolitzer in Die Interessanten über einen New Yorker Künstler-Freundeskreis, in dem es die einen schaffen und die anderen nicht – und darüber, wie sie alle damit klarkommen (oder nicht).

Großherzig geschrieben, ein Generationsporträt der heutigen Fiftysomethings und eine Hommage an die lebenslange Freundschaft, die Widersprüche und Geheimnisse aushält. Lesenswert! Seit kurzem auch als Taschenbuch. Etliche Interiors, z. B.:

They gathered at Sand, a tiny East Village restaurant that had also recently ascended after ist own positive review in the Times. The restaurant was a skinny room with sand on the floor that crunched when you moved your chair or your feet. With sand beneath their shoes and complex tastes popping up I their mouths, they ate their expensive, fussy-looking … drizzled-plate dinner ….

London, Vintage 2014, p. 260

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Buchtipp: Dörte Hansen, Altes Land

Buch/ Dörte Hansen: Altes Land

Das Foto ist von Spiegel-Online, von hier.

130_0647_153223_xxlGerade einmal zwei kleine Feuilleton-Rezensionen hat dieses Buch gemäß perlentaucher.de bekommen, dabei hätte es viel mehr verdient. Sprachlich herausragend, witzig, scharfsinnig, literarisch, satirisch, großzügig und thematisch relevant:

Es geht um Flüchtlinge, die Alten aus Ostpreußen und die modernen, die auch aus einer verlassenen alleinerziehenden Mutter bestehen können, die mit letzter Kraft Zuflucht bei einer Verwandten auf dem Land sucht. Glücklicherweise sind die Leser oft schlauer als die Rezensierenden, und so steht das „Alte Land“ eben dann doch auf Platz 2 der Spiegel-Bestsellerliste. Die heimliche Hauptperson ist ein altes Hallenhaus:

Sobald es still und dunkel wurde und die Vergessenen durch ihre Diele schlurften, die alten Stimmen aus den Wänden mit ihr flüsterten, dann traute sie dem Haus immer noch alles zu.

Knaus, München 2015, S. 281

 

 

 

10 Sofas aus Köln 2016

Hier nun noch eine letzte Nachlese zur Kölner Möbelmesse 2016 (18. bis 24.1.2016): 10 ausgewählte Sofas/Sitze made in Europe.

Das Haus 2016, Sebastian Herkner, imm cologne 2016
1 Firma Arflex, Italien, Design: Claesson/Koivisto/Rune
Bretz IMM Köln 2016 000
2 Bretz, Deutschland
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3 Brühl, Deutschland, Design: Kati Meyer-Brühl
Das Haus 2016 Sebastian Herkner imm cologne 2016
4 Dedon, Deutschland, Design: Sebastian Herkner
DEU, Köln, Koelnmesse, imm cologne 2016. Featured Editions.
5 e15, Deutschland. Klar, kein Sofa, sondern: der original “Backenzahn”-Hocker von Philipp Mainzer und zahlreiche Kopien. Die Besucher durften raten, welches der echte ist.
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6 freistil Rolf Benz, Deuschland, Design: Sebastian Herkner
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7 Koinor, Deutschland, Evita, Design: Tamara Härty
Guadaloupe geel  0001
8 Leolux, Niederlande, Design: Christian Werner
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9 Sancal, Portugal, Design: Yonoh
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10 Verzelloni, Italien

Bücher auf der Kölner Möbelmesse, Teil 3

Und hier nun der dritte und letzte Post zu der Frage, ob eigentlich überhaupt noch Bücher dekoriert werden (oder ob sie doch aussterben). Auch diese Fotos stammen von der Kölner Möbelmesse (lief bis 24.1.) und den sie umgebenden Showrooms.

Paschen
Dank der Initiative zweier Unternehmer konnte die ruhmreiche Bibliotheksfirma Paschen gerettet werden. Bei Paschen gibt es jetzt immer noch die gewohnt klassischen Bibliotheken und Regale. Aber auch dieses coole neue, ohne Handwerkszeug zu montierende Regal namens Urban Concept One.
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Hier dürfen nur blaue Bücher stehen – ich habe auch schon mal versucht, mit farblich geordneten Büchern zu leben, fand es aber zu unpraktisch.
Montis
Ein verlockendes Coffetable-Book auf dem Stand eines Designers in dem Showroom der Design Post.
RolfBenz
Markenmöbelanbieter Rolf Benz macht sich mit dieser Deko nicht nur ums Lesen, sondern auch um die Schreibkultur verdient.

 

Cassina (2)
Die Italiener bleiben den Büchern am treusten: Auf vielen ihrer Stände waren Bücher dekoriert. Diese rustikale Stand-Installation wurde übrigens von Designerin Patricia Urquiola gestaltet.
Cor
Amerikanische Literatur bei Polstermöbelhersteller Cor: Dort lag ein Buch von F. Scott Fitzgerald aus.