Fiction (Japan): Sayaka Murata, Die Ladenhüterin/Film (Deutschland): In den Gängen

9783351037031

„Unablässig erklang in mir die Stimme des Konbini. Seine Wünsche und Bedürfnisse durchströmten mich. Nicht ich sprach, sondern der Konbini sprach aus mir. Ich gab lediglich seine Offenbarung weiter.“

Die Ladenhüterin, Berlin 2018, S. 142

Ich hatte Durststrecken, weil die Begrenztheit der Erzählerin anstrengt, fand es aber perfekt gemacht und auf seine Art horizont-erweiternd.

In „Die Ladenhüterin“ wird die Geschichte der jungen Keiko Furukura erzählt, die als Beschäftigte in einem japanischen Minimarkt (Kombini) ihre Bestimmung findet. Ein Roman für den internationalen Literaturkanon. Er bildet einen Mikrokosmos im zeitgenössisches Japan ab und macht die Psyche einer teilweise gefühlsblinden, zugleich aber sensiblen und autistischen Persönlichkeit erfahrbar.

Im übergeordneten Sinn ist Sayaka Muratas preisgekrönter Roman eine Nahaufnahme der heutigen gewinnorientiert durchgetakteten, zutiefst prägenden Arbeits- und Konsumwelt der reichen Länder. Ein Stück Keiko steckt in allen von uns, wenn wir an unserem Arbeitsplatz sind.

Das Buch lässt sich sehr schön im Zusammenhang mit Hermann Melvilles Erzählung „Bartleby, The Scriverner“ (USA) und mit Amelie Nothombs Roman „Mit Staunen und Zittern“ (BEL) lesen.

Ergänzung 4.6.2018: Eine wunderbare Erweiterung des Themas, diesmal mit dem deutschem Mikrokosmos eines Großmarkts: der Film “In den Gängen” von der Biennale 2018.

 

 

2 thoughts on “Fiction (Japan): Sayaka Murata, Die Ladenhüterin/Film (Deutschland): In den Gängen

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s