Buchtipp: Fuminori Nakamura, Der Dieb

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Naoto Fukasawa hat eine Fertighütte für die japanische Firma Muji entworfen, die kürzlich auf der Tokio Design Week vorgestellt wurde. Das Bild ist von hier.

978-3-257-06945-7Ich finde es immer wieder erschreckend, wie viel Einsamkeit in zeitgenössischen japanischen Romanen zu spüren ist. So eine Art Gefühls-Minimalismus. „Der Dieb“ macht da keine Ausnahme.

In westlichen Medien als „der neue Haruki Murakami“ gehypt, lässt der knapp vierzigjährige japanische Autor Fuminori Nakamura seine Hauptperson stehlend durch Tokio ziehen. Engere Beziehungen als diejenigen zu den Bestohlenen hat der Ich-Erzähler kaum.

Nakamuras Welt ist allerdings noch wesentlich kälter und härter als diejenige von anderen japanischen Autoren (siehe hier), nahezu stählern und – das ist wiederum typisch – etwas surreal und spooky. Das Interieur auch:

„Ich fühlte mich auf einmal wie allein zurückgelassen in dieser Welt … Außer dem Stahlrohrbett, dem Schrank und dem Bügelbrett gab es nichts Bemerkenswertes in dem Zimmer. Aus einem Riss in den Tatamimatten ragten Kunstfasern heraus wie Pfähle.“

Fuminori Nakamura, Der Dieb, Zürich, Diogenes, 2015, S. 23.f