Serie (D): Die neue Zeit

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Dörte Helm (2.v.r., Anna Maria Mühe ) und Gunta Stölzl (r., Valerie Pachner ). Foto: ZDF/Julia Terjung

“Die Inneneinrichtung also lässt nicht zu wünschen übrig. Aber der Grundriss dieses Bauhauses, der ist einfach misslungen.”

Diesem Fazit der FAZ zur sechsteiligen Serie “Die neue Zeit” um die Architekturbewegung Bauhaus schließe ich mich an. Es wäre schön, wenn die Sender ARTE/ZDF ihrem Publikum zutrauen würden, dass es auch ohne Old School Love Story Spaß daran hat, eine Serie übers Bauhaus zu sehen. Wegen der “Inneneinrichtung” (tolles Schauspiel zum Beispiel) trotzdem sehenswert. Noch bis 7.12.19 in der Mediathek.

A German serial about the design and art movement Bauhaus. Well done and performed, but with a simplified plot and a probably fictional old school love story. I warmly recommend it though because of the good performance. You find it here, in German.

Fiction (USA/New York City): Lisa Halliday, Asymmetry/Asymmetrie

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„Lulled by years of relative peace and prosperity we settle into micromanaging our lives with our fancy technologies and custom interest rates and eleven different kinds of milk, and this leads to a certain inwardness, an unchecked narrowing of perspective, the vague expectation that even if we don’t earn them and nurture them the truly essential amenities will endure forever as they are. …

Our military might is unmatched and in any case the madness is at least an ocean away. And then all of a sudden we look up from ordering paper towels online to find ourselves delivered right into the madness. And we wonder: How did this happen? What was I doing when it was in the works? Is it too late to think about it now? Anway, what good will it do, the willful and belated broadening of my imagination?”

London, Granta, 2018, p. 260f

Allein für diese Passage schätze ich das dreigeteilte Buch “Asymmetrie”. Teil 1 handelt von der Affäre einer jungen Verlagsassistentin mit einem alten berühmten Schriftsteller, endlich mal von einer Frau geschrieben. (Völlig literaturunwissenschaftliche aber menschlich sehr interessante Anmerkung: Lisa Halliday hatte eine Affaire mit Philip Roth. Ich versuchte dann auch, seinen Roman “Das sterbende Tier” zu lesen, der ungefähr zeitgleich zu der Affäre geschrieben worden sein muss; nach fünfzig Seiten stieg ich trotz aller guten Vorsätze aus. Er dreht sich nur um den nicht sehr spannenden Ich-Erzähler und seine Passion.) In Teil 2 geht es um einen amerikanisch-irakischen Reisenden, aufgehalten in der Niemandswelt eines Flughafens, erzählt aus der Ich-Perspektive. Teil 3 ist das Interview einer Londoner Moderatorin mit dem Schriftsteller aus Teil 1. Eine ziemlich gewagte Konstruktion, der Roman, zumal in Teil 2 eine – in den USA ja sehr wütend diskutierte – kulturelle Aneignung praktiziert wird. Hochachtung dafür, dass Lisa Halliday Asymmetrie so unkonventionell angeht.

The passage above (which is longer and smarter in the book) would suffice for me to pay tribute to “Asymmetry”. But also the other subjects (old man loving a young woman, written by a woman; migration and the appropriation of culture; some wisdom by the old) make this book very interesting. Praise for Lisa Halliday to face asymmetries so unconventionally.

Buchtipp (D): Doris Knecht, Wald

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So licht und stylisch wie in den angesagten She Sheds geht es in „Wald“ nicht zu.

„Dieses Geschenk nicht anzunehmen, würde schlechtes Karma bedeuten. Marian wollte kein schlechtes Karma, davon hatte sie schon genug, also nahm sie das Geschenk an, dankte der Gottheit mit einer Verbeugung und schlug dem Huhn mit dem Beil den Kopf ab.“
Hamburg 2016, Seite 178 f

91oAk-YRmELDoris Knechts „Wald“ zeigt einmal mehr, dass meist nicht das Was, sondern das Wie des Erzählens entscheidend ist. Noch eine Geschichte über eine zarte Luxus-Seele oder eine Lifestyle-Frau, die plötzlich mit der Realität der Geldlosigkeit und der Provinzialität konfrontiert wird, hätte nicht unbedingt sein müssen.

Die Art, wie Doris Knecht die Heldin vor sich hin hirnen und in Schleifen ihren Niedergang rekapitulieren lässt, fand ich sehr gekonnt. So ungefähr sieht er aus, der Bewusstseinsstrom dieser Zeit und dieser Generation der Fiftysomethings. Ein Buch wie eine gute – und dann eben doch recht patente – Freundin. Du bist nicht allein.

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